Platzverbot bei CII 966 856

Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2019
Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2019

 

Gestern (24. März 2019, E.W.) gegen 17.50 Uhr.

Die S1 vom FJS-Flughafen stadteinwärts. 

Zwei Sitzreihen weiter vorne, sitzt schräg gegenüber scheinbar Charles Manson – der Serienkiller. 

Eine speckige FCB-Mütze verbirgt das schief gestochene Hakenkreuz auf seiner Stirn.

Das Nazi-Symbol kommt aber umgehend – verbal – zum Vorschein, als ein Schwarzer die S-Bahn betritt und arglos – dem „Psycho-Sektenführer“ gegenüber – den letzten freien Sitzplatz im Wagon einnimmt.

Sofort brüllt Manson (oder ist es ein – noch hässlicheres – Double?) laut auf wie ein verwundetes Tier – allerdings in einem, vom Suff verwaschenen bayerischen Slang: „Do setzt Du Di bestimmt ned hi – du sch… N…!“

Zurecht fühlt sich der sympathisch wirkende dunkelhäutige Mann, der offensichtlich einen langen (sonntäglichen!) Arbeitstag hinter sich hat, nicht angesprochen und bleibt – ohne die Miene zu verziehen oder etwas zu sagen – einfach sitzen. 

Wohl um sich abzulenken, beschäftigt er sich mit dem Smartphone, während der Ruhestörer ihn weiter übelst rassistisch stichelt.

Umstehende mischen sich ein – bitten den Xenophoben freundlich, aber bestimmt, er möge endlich verstummen oder – besser noch – aussteigen. 

Der Rüpel reagiert, in dem er sich unter den Schlichtern – quasi stellvertretend – jemand herauspickt und ihn anfaucht, er solle in sein „K…-Land zurück“. 

Mit zittriger Stimme erwidert jener: „Ich bin aus Deutschland… Hab einen deutschen Pass!“

Das bestreitet der Hässliche aber vehement: „Du bist bestimmt koanar von ons. Du g’herst hier ned her!“

In Neufahrn hält die S-Bahn länger als sonst. Niemand weiß warum, aber jeder möchte weg – einfach nur weiter, so schnell wie möglich. 

Nach langen Minuten, während derer der Streithansel eine fremdenfeindliche Boshaftigkeit nach der anderen “abfeuert”, kommt eine Durchsage des S-Bahnfahrers: „Die Weiterfahrt verzögert sich – wegen eines Polizeieinsatzes – auf unbestimmte Zeit.“

„Toll!“ denkt man und fragt sich: „Wie erkläre ich´s meinem Kind, was hier Übles abgeht?“ 

Einzelne Passagiere verlassen genervt die S-Bahn. So wird ein Platz frei, worauf nicht nur ich den Attackierten hinweise. 

Doch er beschließt, sitzen zu bleiben, demonstrativ standhaft zu sein, die Sache durch- und – auszuhalten, nicht klein beizugeben, denn dann hätte das Monster sein Ziel erreicht. 

„Respekt!“ denke ich und lächle dem Mutigen zu. 

Man versucht sich und das Kind abzulenken. 

Die Luft im Wagon ist längst “dick” und stickig geworden. 

Plötzlich. Die Tür fliegt auf. Gepolter.

Eine Gruppe martialisch uniformierter und bewaffneter Polizisten stürmt in den Wagon, direkt auf Manson zu.

Einer der Ordnungshüter fragt etwas wie: „Machst mol wiada Trouble?!“

Man kennt sich: der Manson-Wiedergänger ist “Stammkunde”.

Schon ergreifen ihn die Polizisten und schleifen die – lächerlich hager wirkende – Figur im Polizeigriff aus dem Wagon. Auf dem Bahnsteig macht es “Klick-Klick” und der “braune” Unruhestifter ist mit Handschellen fixiert.

Im Wagon. Aufatmen. Spürbare Erleichterung. 

Endlich geht die Fahrt weiter – glaubt man und frau.

Da öffnet sich noch einmal die Tür.

Ein Polizist fragt mit überraschend sanfter Stimme: „Ist jemand g´schädigt worden? Mecht jemand aussagen?”

Schweigen. 

Man schaut zum Opfer des infamen rassistischen Übergriffs. 

Ist gespannt, wie der Mann reagiert. 

Doch der setzt sich – wortlos und äußerlich ungerührt – bloß ans Fenster. 

Dann schließt die Tür. 

Die S-Bahn rollt an.

Nichts passiert … also?!?

Noumenon ist (wieder) online – diesmal textlastig

Graphik. Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2019
Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2019

 

Wow! Wann gibt es das schon einmal, dass etwas viel schneller und einfacher geht, als man (w / m) es sich vorab vorgestellt hat – z.B. die Erstellung der vorliegenden Homepage.

So stehe ich jetzt etwas bedröppelt da*, da ich noch gar keine Einleitung zu Noumenon geschrieben hab. 

Also müssen wir jetzt wohl etwas improvisieren. 

Erst einmal freue ich mich sehr, dass  Sie – wie und warum auch immer – auf noumenon.de gelandet sind. 

Was hier geplant ist?

(E.W. denkt lange nach.)

Hmm …
Vielleicht könnte man es so ausdrücken:

(Er zaudert, bevor er schließlich folgendes in die Tastatur “hackt”:)

Kurze Texte …

(E.W. bricht ab, löscht das bisher Eingetippte, überlegt angestrengt und beginnt ein zweites Mal folgendermaßen:)

Besser gesagt:
Texte und Berichte zu…

(Er stoppt, … )

Ähm …
Texte zu?!
– “Texte und Berichte über” klingt besser – …

(… fährt fort, … )

… Texte und Berichte über wahre Erlebnisse und …

(… sinnt nach.)

– Wie sagt man? –

(Stirnrunzeln)

reale Begebenheiten, die der…

(E.W. zögert kurz, …)

Autor selbst erleb…

(…. dann stockt sein Formulierfluss abermals.)

“Halt!
Zwei Mal was mit ‘erleb’ in einem Satz …
… klingt schräg!”

(E.W. grübelt sekundenlang, korrigiert sodann entschlossen.)

… die der Autor mitbekommen hat

(E.W. spricht laut mit sich selbst, während er die Punkt-Taste betätigt.)

Punkt.

(Er liest das bislang Geschriebene leise murmelnd noch einmal durch.)

Hmh – hm – hmh – Hm – hmh

(Stöhnt.)

Noch etwas vergessen?

(Knetet nervös sein Kinn.)

“Ach so!”

(Verzieht das Gesicht.)

Also: aktuell mitbekommen hat oder …

(Kratzt sich verlegen an der Stirn.)

Äh…

(E.W. rollt genervt mit den Augen, bevor er seine 10 Finger über die Tastatur “fliegen” lässt, um nachstehendes einzugeben:)

… oder irgendwann einmal in der Vergangenheit…

(Der ausgestreckte Zeigefinger seiner rechten Hand stürzt drei Mal energisch auf die Punkt-Taste, während E.W. synchron laut zu sich spricht:)

Punkt Punkt Punkt

(E.W. fasst sich mit Daumen und Zeigefinger ans rechte Ohrläppchen und seufzt  abschließend:)

Oder so?!

Eine spannende und unterhaltsame Lektüre wünscht

Ihr Ewald Wildtraut


*
Es kommt mir manchmal eh so vor, als sei dies mein Normalzustand 😉
**
Nachdem mehrere Versuche, einen Roman zu schreiben, hauptsächlich daran scheiterten, Job, Familie und und sonstige Leidenschaften (wie die Kunst) unter einen Hut zu bekommen.