Grenzenlos … – cRise Serie: Beitrag 3 (in Arbeit)

© Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2020
© Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2020

Seit März spätestens fielen sie wieder …

Nein, nicht die Aktienkurse…

– die mein’ ich nicht, obgleich die ebenfalls in den Keller gingen, drastisch sogar –

… vielmehr die Schlagbäume an den nationalen Grenzen, nicht nur in Europa.

Obwohl solche Barrieren nicht in der Lage sind, ein nur etwa 160 Nanometer großes Virus abzuwehren, konnten sie wenigstens diese ekligen Zweibeiner aufhalten, von denen es auf unserem Planeten bald 10 Milliarden geben soll.

Wussten Sie, dass 

  • ein 80 kg schwerer Vertreter der Gattung Homo sapiens sapiens auf der Oberfläche sowie im Inneren seines Körpers ständig etwa 5 kg Bakterien mit sich herum trägt?
  • sein Organismus aus unglaublichen 30 Billionen Körperzellen besteht, zu denen sich noch 39 Billionen Mikroorganismen (in der Mehrheit Bakterien und Pilze) gesellen?

Da bekommt man* doch gleich ein ganz anderes Verhältnis zum eigenen Body!

Es liegt in der Natur von Selbstverständlichkeiten, dass diese erst auffallen, wenn sie plötzlich nicht mehr gegeben sind. 

Schon vor dem Fall des Eisernen Vorhanges Ende der 1980er Jahre gab es Bestrebungen, die nationalen Grenzen innerhalb der EU zu öffnen. 

Treibende Kraft für die Abschaffung von Demarkationslinien war die Bildung eines gemeinsamen europäischen Binnenmarktes.

Es waren also nicht primär human(itär)e Erwägungen, sondern zuvorderst wirtschaftliche Motive und Interessen – gilt doch nichts als wirkmächtiger als die (eigene) Gier – welche bedingten, dass ab Mitte der 1990er Jahre die Grenzen im „Schengen-Raum“ verschwanden. 

Irgendwann war es eine Selbstverständigkeit, an aufgelassenen, tristen Zollstationen, wo früher bis an die Zähne bewaffnete Grenzsoldaten grimmig ihren Dienst versahen, einfach vorbei zu brausen, um ungehindert etwa für einen Wochenend-Trip nach Prag oder Berlin zu rasen.

Dann jedoch kam ein winziges Virus und sorgte dafür, dass es plötzlich wieder hieß: „Ey, Du kommst hier net rein!“

Eine geradezu schockierende Erfahrung für den individualisierten, hoch mobilen Superspreader. 

Was aber, wenn man – wie im Mittelalter – gar nicht wusste, wo die Grenzen liegen?

Ob sich dahinter tatsächlich eine „Terra Incognita“ erstreckte.

Wie es dort aussah, welche Wesen diese Gefilde besiedelten und welche Schätze es zu heben gab. 

Der Mehrheit der Menschen waren solche Fragen im sogenannten “dunklen Zeitalter” herzlich egal.

Hauptsache, sie kamen nach einem gottgefälligen und mühevollen Leben als Belohnung in den – von den Kanzeln herunter – versprochenen Himmel.

Blöd nur, wenn da nichts war!

Dann stand man doppelt deppert da! 

Ausgebeutet und verdummt auf Erden und zusätzlich um´s „himmlische Manna“, wahlweise: um die versprochenen 72 Jungfrauen gebracht. (Sorry, Mädels und LGBTQ+-Wesen, auch in dieser Hinsicht habt Ihr – zumindest nach den Lehren und Mythen der Religionen – leider mal wieder die A….-Karte gezogen 🙁 )

Doch zurück zu den / an die Grenzen. 

Eine kleine Minderheit rieb sich daran.

Wollte sich nicht limitieren lassen.

Begehrte Einlass zu jenen Gefilden, über welche die wildesten Spekulationen kursierten. 

Möglicherweise lauerte dort der Tod. 

Andererseits… wie wußte schon der Esel in den „Bremer Stadtmusikanten“: „etwas Besseres als den Tod findest du überall!“

Also machte sich nicht nur Leif Eriksson auf über`s Meer, denn:

  • „Hann, ið einki vágar, hann einki vinnur!“
  • „Quien no arriesga no gana nada!“
  • „смелость города берёт!“
  • „Qui ne tente rien, n’an rien!“
  • „不入虎穴焉得虎子!“
  • „Quem não arrisca não petisca!“
  • „śmiałym szczęście sprzyja!“
  • „Friskt vågat, hälften vunnet!“
  • „Chi non risica, non rosica!“
  • „Nothing ventured, nothing gained!“

Wie Sie sehen, haben dieser Geisteshaltung und Risikobereitschaft zahlreiche Sprachen eigene Aphorismen gewidmet. 

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“

Der findet auf keinen Fall heraus, ob im Westen tatsächlich das sagenhafte Eldorado liegt.

Der wird für sein Draufgängertum niemals mit unvorstellbaren Schätzen oder zumindest neuen Erfahrungen belohnt.

Die Fortsetzung des Beitrags folgt im Hochsommer 2020.

 

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