Böse Zungen

© Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2019
© Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2019

Freitag Abend.

Endlich Feierabend.

Auf dem Tisch liegt die „SÜDDEUTSCHE“ – so unberührt und bewußt makellos faltenlos, wie sie am morgen gekauft wurde.

Vorfreude.

Die Lektüre.

Der perfekte Start ins Wochenende.

Quality time.

Ein routinierter Griff hinter das letzte “Buch“ der SZ…
… schon halte ich das „Magazin“ in Händen.

Kurzer Blick auf Cover und Schlagzeile.

Einmal, zweimal geblättert.

Gerade als ich eine meiner Lieblingsrubriken – SAGEN SIE JETZT NICHTS  – aufschlage, klingelt das Telefon.

Echt, muss das jetzt sein?!

Genervt schaue ich auf das Display des „Mobilteils“.

Eine mir unbekannte Münchner Nummer.

Könnte der Klassenkamerad eines meiner Kinder sein.

Nur deshalb gehe ich ran.

Nicht ahnend, dass sich gleich jemand entblöden wird.


(Rückblende 1)

Samstag, 19. Juli 2014

Warum ich auf dem Weg zur „ABSOLUT-Villa” seinerzeit beim Lidl an der Ecke Station machte?!

Keine Ahnung!

Ich weiss nur noch, dass ich angespannt war, “Lampenfieber” hatte.

Hinter mir lagen zwei groß-art-ige Tage, während derer 6 Künstler(-gruppen) und meine Wenigkeit in Pullach bei München eine gänzlich Weiss getünchte Villa mit Ideen, Formen und Farben erfüllt hatten.
Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=YUm54B-rivg

Auftraggeber war das schwedische Unternehmen ABSOLUT Vodka, das mit diesem kunstvollen Projekt den Startschuss für die internationale Kampagne “Transform Today“ gab.

Offenbar erfolgreich, wie die Resonanz seitens der am Vorabend zahlreich erschienenen Medien-Vertreter später ergab.

Krönender Abschluss sollte an besagtem Samstag die Ausstellung der eigens für den Event geschaffenen Werke und Räume sein – präsentiert im Rahmen einer riesigen Party mit ca. 400 Leuten und DJ-Sets u.a. von Mike Skinner / THE STREETS.

Auf dem Weg zur Kasse bemerkte ich zunächst nicht, wer vor mir in der Wartechlange stand.

Erst als der Mann  – warum auch immer – nach hinten blickte, erkannte ich ihn – Arnold Ratzinger, der Vater von Kindern, die zeitweise in die gleiche Klasse gingen wie mein Nachwuchs.

Wir grüßten uns, wie man  jemanden begegnet, den man “nur vom Ansehen”  kennt.

Obwohl mir nicht nach Small Talk und schon gar nicht nach einem längeren Gespräch zumute war, berichtete ich wohl kurz von dem ABSOLUT-Projekt.

Auf einmal drehte sich vor Ratzinger ein grobschlächtiger Kerl nach mir um, fuchtelte – in einer verächtlichen Pose – mit seinen Händen vor meinem Gesicht  und ging mich (im schmierigsten Österreichisch, das ich je gehört habe) laut und aggressiv an:
Bist an Alkoholiker? Sag, bist an Alkoholiker?

Bis heute ärgere ich mich, nicht umgehend auf eine Entschuldigung bestanden zu haben.

Ich sah seinerzeit davon ab, um mir den Tag, der zu den Highlights meines Künstlerdaseins zählen sollte, nicht noch weiter von diesem impertinenten Einfaltspinsel eintrüben zu lassen.

Also zog ich nach dem Bezahlen wortlos von dannen – schockiert und zutiefst verletzt über diesen Fauxpas.

Zum Glück erwartete mich mit der ABSOLUT-Villa ein freundlicher Ort, wo ich eine grandiose Nacht erlebte.

Erst Monate später kam ich durch Zufall darauf, dass der „Asi-Ösi“ der Vater von Arnold Ratzinger war, der während des ganzen – gelinde gesagt – unerfreulichen Zwischenfalls so unbeteiligt daneben gestanden hatte, als hätte er mit dem „Schandmaul“ nichts zu tun.


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