Mental Maps – Zwischenkapitel zur cRise-Serie

© Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2020
© Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2020

 

Die ganze Warterei der letzten Tage – vergebens!

Leider gibt die Nachrichtenlage momentan keinen aktuellen „Aufhänger“ her, auf den der nächste Beitrag der cRise Serie *** hätte zugespitzt werden können.

Deshalb wird das folgende Posting – ausnahmsweise – „persönlicher“ als die bisherigen ausfallen.

Wobei auch im vorliegenden Traktat – eher indirekt – Karten vorkommen werden – als mental maps.

Die nächste cRise-Folge erscheint spätestens dann, wenn ein orange geschuppter Reptiloid gewaltsam die Weltherrschaft übernimmt und die Menschheit dazu zwingt, lebenslänglich Masken mit dem irren Joker-Konterfei von Ken Jebsen zu tragen!

*** Im 3. Posting sollte es darum gehen, dass viele Entdecker und die Gründerväter der Naturwissenschaften Kartografen waren bzw. als solche fungierten. Oder war es umgekehrt?

Nicht nur der „Inschiniör hat es schwör“ gehabt.

Seinerzeit, Mitte / Ende der 1980er.

Auch Sozialwissenschaftlern – wie dem Verfasser dieser Zeilen – fiel es oft nicht leicht, die mitunter üppigen Mahlzeiten zu verdauen, welche das Studentenwerk dem universitären Nachwuchs in der Mensa hinter dem „Schweinchenbau“ vorsetzte.

Auch wenn der Volksmund aus gutem Grund behauptet „Ein voller Bauch studiert nicht gern“.

Wo, wenn nicht hier im akademischen Mast-,  pardon: Gastbetrieb an der Giselasstraße konnte der Hochschüler (m / w) für kleines Geld –  egal, ob dieses aus Papas Spendier-Höschen oder vom BaföG-Amt stammte –  unbefangen seiner Fleischeslust frönen und sich ohne Ende „Sättigungsbeilagen“ einverleiben.

Ein in jenen fernen Tagen übl(ich)es Sprichwort besagte: „Nach Essen sollst du rauchen oder eine Frau gebrauchen!“

Nun war letzteres Gebot– insbesondere aus moralischen Erwägungen – i.d.R. nicht so leicht umzusetzen.

Als Ersatzbefriedung zog ich mir seinerzeit gierig ein paar „Sargnägel“ in die Bronchien, während ich ziellos durch Schwabing tappte.

Das Schöne: durch den Spaziergang waren rasch wieder ein paar Kalorien verbrannt. Darüber hinaus gelang es dadurch, spielend die oft stundenlange Zeit bis zur nächsten Vorlesung zu überbrücken.

Irgendwann wurden mir die mittäglichen Verdauungstouren zu einem festen Ritual.

Ursprünglich stammte ich aus der tiefsten oberschwäbischen Provinz.

München war mir bis zu meiner Übersiedlung im Herbst 1986 weitgehend unvertraut. Von Klassen- und wenigen Einkaufsfahrten her kannte ich eigentlich nur den Marienplatz samt Fußgängerzone, das Deutsche Museum, die Ludwig- und Leopoldstraße und – natürlich! – das damalige IBM-Headquarter am Sederanger.

Alles, was abseits davon lag, war für mich „Terra Incognita“.

Und durch diese tappte ich nun täglich zu jener Zeit, wenn meine Kommilitonen (w / m) gemütlich in einem Café „Siesta“ machten oder sich zu den Nackerten im Englischen Garten gesellten.

Wäre mir jemand auf meinen Rundgängen gefolgt, hätte der aufmerksame Beobachter schnell herausgefunden, was für einen Schmarrn ich daher lief.

Ohne erkennbaren Grund wechselte ich ständig die Richtung. Was mich dazu bewog, blieb mir selbst ebenso rätselhaft, wie der Umstand, warum ich abrupt mal in diese oder jene Straße einbog.

Manchmal glaubte ich mich in bereits bekannten Gefilden zu befinden. Tatsächlich hatte ich mich aber hoffnungslos verlaufen.

Stand ratlos an einer Ecke, wo ich nie zuvor gewesen war. Und wusste nicht mehr weiter.

Meist ergriff mich spätestens dann die Panik, es nicht mehr rechtzeitig zur nächsten Vorlesung zu schaffen.

Also fragte ich Passanten oder Ladenbesitzer, wo sich in der Nähe denn eine U-Bahnstation befände, um rasch wieder in Uni-Nähe zu gelangen.

Noch häufiger als die Verirrungen des  Zugezogenen waren jene Situationen, in denen ich der festen Überzeugung war, mich in einer neuen, mir bis dato unbekannten Gegend  zu befinden. In Wirklichkeit war ich dort – nur wenige Minuten zuvor – schon einmal gewesen – allerdings aus der anderen Richtung kommend.

Mit der Zeit jedoch häuften sich bei den mittäglichen Expeditionen ins unbekannte Schwabing und Kern-Minga, die Aha-Erlebnisse:

  • „Aha, an diesem Platz steht doch das großartige Jugendstil-Haus mit den goldenen Stuck-Pfauen an der Fassade!“
  • „Aha, die Lore vor der Verwaltung der „Bundesknappschaft“.
    – Komischer Name! Knappschaft, hat wohl was mit Bergbau zu tun. Aber gibt´s in und um München überhaupt Erz- oder Kohleförderung?!“
  • Aha, die stolze Stadtvilla, von der mir einst jemand erzählte, hier hätte „der letzte Krupp“ wilde (Sex-)Orgien gefeiert (oder war’s im Priesterseminar nebenan?)

Dieses Anwesen liegt in der Georgenstraße, was sich der Autor irgendwann einmal merkte. Denn so ausgeprägt sein visuelles Gedächtnis war (und wohl immer noch ist), so lausig blieb lebenslang seine Merkfähigkeit für Namen, die bekanntlich aber eh` nur „Schall und Rauch“ (J.W. von Goethe) sind.

Langsam erkannte ich die räumlichen Zusammenhänge. Bald war mir klar, wenn ich da vorne nach rechts abbiege, komme ich in die Straße mit dem Punk-Friseur. Oder in der dritten Gasse auf der linken Seite befindet sich die U-Bahn-Stadtion sowieso und irgendwie.

Manchmal schaute ich nach dem Uni-Feierabend zu Hause auf dem Stadtplan nach, ob meine räumlichen Vorstellungen vom Stadtraum, – ergo: mental maps –  auch den tatsächlichen geografischen Gegebenheiten entsprach.

Ein faszinierender Aspekt von Mental Maps umfasst die Fähigkeit, sich Gegenden, die man in realiter nur zu Fuss auf der Erdoberfläche ergründet hat, plötzlich im Geiste aus der Vogelperspektive vorstellen zu können, so als hätte man diese Areale ursprünglich von einem Hubschrauber aus erkundet.

Nur in der Geschwindigkeit eines Gehers erschließen sich diese kognitiven Strukturen räumlicher Zusammenhänge in perfekter Manier.

Wer dagegen auf zwei oder vier Rädern durch den Stadtraum hetzt, dem entgehen diese Erkenntnisse. Der bleibt räumlich ein Analphabet und bis ans Ende seiner Tage auf die Hilfe seiner virtuellen Fahrassistentin angewiesen.   

Weil ich die oben beschriebenen Aha-Erlebnisse so lieb(t)e, wäre ich, außer es stand ein wichtiger Termin an, nie auf die Idee gekommen, mit dem Falk-Plan (GPS gab es seinerzeit ja genausowenig wie Smartphones) durch die Gegend zu laufen.

Denn nur geleitet durch Zufälle (und das zeichnet den wahren Flaneur aus) erlebte ich auf meinen mittäglichen Streifzügen unzählige Episoden:

Beispielsweise beobachtete ich einmal, wie ein auffallend kleiner und hagerer Greis, dessen Oberkörper eigenwillig weit nach vorn gebeugt und in sich verdreht war, gerade im Begriff war, die Karl-Theodor-Straße (Ecke Leopoldstraße) zu überqueren.

Obwohl er sich offensichtlich alle Mühe gab, so schnell voran zu kommen, wie es ihm möglich war, schaffte er in der Phase, während die Fussgängerampel ihm “Grün” zeigte, allenfalls drei Meter.

Also blieb der Gute mitten auf der Straße stehen. Sofort hupten die Autos aggressiv. So dass dem alten Mann der Schweiß noch heftiger von der Stirn tropfte.

Nach mehreren Ampelphasen hatte der Hochbetagte die Gegenfahrbahn, wo ein gigantischer Kies-Kipper auf die Weiterfahrt wartete, fast schon passiert, als sich der Fahrer aus dem Fenster beugte und dem Fußlahmen hinterher rief: „Opa, darenn’ Di ned!“ (für alle des Bayerischen nicht mächtigen, die Übersetzung: „Opa, renn` Dich nicht zu Tode!“).

An einem anderen Tag fragte mich ein verhärmt aussehendes und angespannt dreinblickendes Ehepaar (komplett in klassisisches Kirchentags-Spießer-Beige gewandet): „Wo befindet sich denn hier (im Englischen Garten, E.W.) dieses Sündenpfuhl?“

Ich kapierte nicht sofort.

Also präzisierte der Mann: „Das  Sündenpfuhl von Nudisten!“, während er sich – leibhaftig – bekreuzigte.

Brav gab ich Auskunft und schaute den beiden hinter her, wie sie sich –  mit umgehängten Ferngläsern – dem Vorhof der Hölle näherten.

Oder ich betrachtete die „irgendwie britisch” anmutenden Semi-Detached Houses in der Kaiserstraße, als Bernd Eichinger lässig an mir vorbei schlappte und sagte: „Machen`s a Hirnfoto“. (Ich weiß bis heute nicht, ob das als Frage oder Aufforderung gemeint war).

Überhaupt diese spontanen Begegnungen und die Situationskomik, die sich während der Entdeckungstouren durch die Münchner Innenstadt ergaben!?

Besonders gern denke ich an die liebenswerte Familie bulgarischer Juden zurück, die in der Karlstraße (wo heute der aalglatte internationale Management-Nachwuchs heran gezüchtet wird, welcher viele der Probleme verursachen wird, mit der die Gesellschaft dann in Zukunft zu kämpfen haben wird) einen Imbiss mit Balkanspezialitäten betrieb.

Jeden Freitag machte ich dort Halt und wurde jedesmal so herzlich empfangen, als wäre ich ein naher Verwandter. Der Wirt hatte in Wirklichkeit Volkswirtschaft studiert; ja sogar promoviert. Doch erkannte das  „Land der Täter“ seinen Abschluss an der Universität Sofia leider nicht an.

Also wagte er in Deutschland den Neuanfang als versierter Koch, der täglich frisch eine kleine, aber feine Auswahl unglaublich leckerer adriatischer Speisen zubereitete. Irgendwann, Ende der 1980er Jahre erzählte er mir traurig, dass das Gebäude, in dem sich sein Geschäft befand, abgerissen werden sollte.

Als ich nach längeren Semesterferien freudig wieder einmal bei ihm speisen wollte, stand in der Karlstraße ein riesiger Bagger, der sich, so brutal wie ein Raubtier die Eingeweide seiner Beute zerfetzt, mit der Schaufel durch die aufgerissene Fassade des Hauses wühlte.

Nie – und es blutet mir immer noch das Herz – habe ich erfahren, was aus der Familie geworden ist.

Eine andere Zufallsentdeckung war jener bayerische Friseur (der dann jahrzehntelang mein Stamm-Coiffeur war), der zusammen mit seiner Frau in der Schleißheimer Straße einen Salon betreibt. Ihr Sohn, den ich noch als kleinen Hosenscheißer erlebt habe, wurde später in Wellington / Neuseeland einer der leitenden Computer-Animations-Spezialisten, der u.a. an James Camerons „Avatar“, Peter Jacksons „Hobbit-Trilogie“ und diversen Marvel-Abenteuern mitgearbeitet und -gestaltet hat.

Eine weitere langjährige Bekanntschaft, die ich beim „auf dem Asphalt botanisieren“, wie Walter Benjamin das ziellos, aber dennoch hoch aufmerksame Flanieren durch den urbanen Raum umschrieb, war die Chefin (und anfangs auch Köchin) einer unweit des Stiglmaierplatzes gelegenen Asia-Küche.

Diese ungemein quirlige und sympathische Frau gehörte den Hoa an –  der chinesischen Minderheit in Vietnam. Als der Süden des Landes den masslos mörderischen Krieg, den sich US-Amerika und der Vietcong lieferte, 1975 endgültig verloren hatte, setzten ihre Eltern – von Angst und Hoffnungslosigkeit getrieben –  ihre einzige, noch jugendliche Tochter in eine völlig überfüllte Dschunke.

Auf offner See erwartete sie, jämmerlich zu ertrinken. Als Angehörige der ehemaligen Saigoner Oberschicht und und gläubige Buddhistin fürchtete sie diesen grausamen Tod jedoch weniger als die Rache der Roten Kmehr aus dem Norden Vietnams.

Wider Erwarten wurde das Mädchen aus Seenot gerettet und landete nach einer Odyssee, deren Einzelheiten ich leider nicht mehr parat habe, schließlich in München.

Als ich bei einem meiner Rundgänge in ihre kleine Küche stolperte, wusste ich noch nicht, dass ich einer der ersten Kunden ihrer Gastro-Bar war. Sie hatte das Geschäft erst am Morgen eröffnet, ohne groß dafür die Reklametrommel zu rühren (nicht einmal eine Banderole mit „Neueröffnung“ hing im Schaufenster).

Bei ein paar Frühlingsrollen und einem Teller köstlich garnierter, gebratener Nudeln mit Asia-Gemüse kamen wir in einen Dialog – im wahrsten Sinne des Wortes – über Gott und die Welt.

Beim nächsten Besuch wusste sie noch ganz genau, worüber wir das letzte Mal geredet hatten und fand sofort einen Aufhänger, um den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen.

Phänomenal – ihr Gedächtnis und unglaublich wach ihr Geist. Bis heute verlangt mir die Kraftanstrengung, allergrößten Respekt ab, wie sie nach Ladenschluss in der Abendschule das Abitur machte und später sogar anfing, an der Fern-Uni Hagen Betriebswirtschaft zu studieren.

Irgendwann lud Sie mich ein – was ich als große Ehre empfand – zusammen mit ihrer buddhistischen Gemeinde im „Garten von Duft und Pracht“ – dem chinesischen Pavillon im Westpark – 春節 / 春节 / Chunjie, sprich: das Neujahrsfest zu feiern. Auch wenn es an diesem Februartag dort unglaublich eisig war, wird mir diese fröhliche und zugleich tiefgründige Feier für immer unvergessen bleiben.

Warum erzähle ich das alles?

Seit dieses vermaledeite Virus in der Welt ist, wird mir die Leidenschaft für das Laufen schmerzlich getrübt.

Es macht einfach keinen Spaß, wenn einem jeder Fußgänger oder Radfahrer ( w / m / d) als potentieller Superspreader begegnet, der einem – en passant – den tödlichen Krankheitskeim entgegen schleudern könnte.

Was ist das Menschenbild, wenn man in seinem/r Nächsten immer einen Risikoträger ( w / m / d) vermuten kann?!

Ja schlimmer noch: wenn von einem selbst die Gefahr ausgehen könnte?! Und das auch noch ohne es zu wissen, da diese Krönung einer niederträchtigen Virus’ ja von Menschen weiter verbreitet werden kann, die nicht daran erkranken oder allenfalls leichte, unspezifische Symptome aufweisen.

Aus diesen Gründen gehe ich viel seltener aus dem Haus als vor der C-rise – und wenn, dann nur zu Zeiten, wenn, wie ich vermute, dass die Straßen und Gehsteige menschenleer(er) als zu den Stosszeiten sind.

Ergo ergeben sich logischerweise weniger Gelegenheiten zu spontanen Gesprächen.

Auch sehe ich vertraute Gesichter oft (lange Zeit) nicht mehr.

Der Gedankenaustausch wird seltener.

Das soziale Leben verkümmert.

Das macht mich traurig

und  – nun ja –

wütend.


 

 

#cRise
#blog
#noumenon
#impression
#art
#text
#optimism
#graphic
#munich
#kartografie
#muenchen
#kunst
#corona
#virus
#kartographie
#pandemic
#cRisis
#cartography

Der 3. Teil der cRise Serie folgt voraussichtlich im Juli 2020!

So flach! – cRise Serie: Beitrag 2

Flat Earth Alu Hat
© Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2020

Das Beispiel der Wikinger zeigt, dass wer ohne Plan auf Pergament, Papier oder “Rechner” durch die Weltgeschichte „eiert“, eher “schlechte Karten” hat.

Hätte Leif seine Expedition schriftlich, graphisch und / oder in der “Sprache” der Mathematik fixiert – auf deren Prinzipien und Forme(l)n die Nautik als „Wissenschaft und Lehre von der Führung eines Schiffes” ja fusst – niemand würde heutzutage den Namen Christoph Kolumbus’ kennen.

Außerdem wäre es Leif dann, falls er doch noch eine Leidenschaft für Wein („Alk is Alk!“) entwickelt hätte, leichter gelungen, wieder zu jenem öden Landstrich zurückzukehren.

Genau jene Wiederholbarkeit, ein i.d.R. abstrahierter Code bzw. eigene Darstellungsweisen sind u.a. Wesenszüge jeder (natur-) wissenschaftlichen Methodik.

Ein solcher Ansatz fällt nicht vom Himmel, kommt nicht von Gott oder gar vom Leibhaftigen, sondern muss in jeder Disziplin erst von besonders schlauen Menschen entwickelt werden.

Höchste Zeit, die Definition für Kartografie (auf Wikipedia, Stand: 13.05.2020) “vom Stapel” zu lassen, um in der Sprache der Seefahrt zu bleiben:

” Kartografie (auch Kartographie) ist die Wissenschaft und Technik zur Darstellung von Himmelskörpern in topografischen und thematischen Karten, im einfachsten Fall Landkarten. Allgemeiner definiert, vermittelt und veranschaulicht sie raumbezogene Informationen (zum Beispiel Geoinformationen) mit analogen und digitalen Verfahren für unterschiedliche Medien. Die Hersteller dieser Medien heißen Kartografen.

Schon die frühzeitlichen Menschen kratzten mutmaßlich mit Holzstöckchen primitive Karten in den Boden, um ihresgleichen Wegbeschreibungen in die – mitunter ewigen – Jagdgründe mit auf die Pirsch zu geben.

Klar, dass diese Pläne heutzutage nicht mehr erhalten sind, weil “vom Winde verweht”.

So gilt manchen Experten ein beim ukrainischen Nest „Meschyritsch / Mжирічin“ gefundenes Stück Mammut-Stoßzahn als ältestes bekanntes kartographisches Artefakt. Im Gebiet des heutigen Oblast „Tscherkassy“ siedelnde „Flintstones“ sollen demnach um 13.000 vor Christi Geburt eine Darstellung ihrer Hüttensiedlung ins Elfenbein geritzt haben.

Andere Fachleute halten die um 6200 v. Chr. nahe Çatalhöyük / Türkei geschaffenen Wandmalereien, auf denen es einem “jungsteinzeitlichen da Vinci” nicht nur gelang, die unverwechselbare Silhouette des Vulkans Hasan Dağı festzuhalten, sondern auch einigermaßen positionsgetreu die Lage und Struktur des damaligen Dorfes hinzupinseln, als erstes Kartenwerk.

Kommen wir noch einmal auf das Stichwort „Wissenschaft“ zurück.

Das Gegenteil von Wissen(-schaft) sind Unwissen und Dummheit.

Letztere äußert sich u.a. darin, dass es auch heutzutage noch zahlreiche Typen (w / m / d) gibt, die der felsenfesten Überzeugung sind, die Erde sei eine flache „Scheibe“ (einfach mal „Flat Earth Society“ googlen).

Dabei hat bereits Aristoteles im 4. Jahrhundert vor Christus eine logische Argumentation dafür aufgestellt, dass die Erde eine Kugelgestalt besitzt.

Bewiesen wurde seine Hypothese dann von einem weiteren Universalgenie der Antike – Eratosthenes.

Und zwar durch die von Aristoteles postulierte Beobachtung, die jede/r ganz einfach selbst nachvollziehen kann.

Man / frau beobachte ein Boot oder Schiff, das auf das offene Meer hinaus fährt.

Dabei kommt es zwangsläufig zu folgender, unbestreitbarer Beobachtung: Je weiter sich das Boot entfernt, umso mehr “verschwindet” der Rumpf des Bootes / Schiffs in der Oberfläche des Meeres, bis am Schluss nur noch die Spitze des Schornsteins oder Segels zu sehen ist, bevor diese – kurz darauf –  vollends unterhalb der bogenförmigen Horizontlinie abtaucht.

Nur wenn die Oberfläche der Erde gekrümmt ist, verschwindet ein Wasserfahrzeug auf diese Weise aus dem Blickfeld des Beobachters.

Und wenn die Oberfläche der Erde gekrümmt ist, ergibt sich als deren vollständige Grundform etwas Kugelförmiges – und keine flache Scheibe.

Dies zu bestreiten, war, solange es noch keine Satelliten und Raumfahrt gab, zwar noch möglich, wenn auch unsinnig, ja: schwachsinnig.

Spätestens seitdem der Blick vom Orbit aus auf die Erde möglich ist, sollte der letzte Zweifel an der Kugelgestalt jedoch endgültig verstummt sein.

Wider besseres Wissen lauthals anzuschreien und anzupöbeln, kann als trauriges Phänomen unserer Tage konstatiert werden.

Da wird in vielen US-Bundesstaaten statt Charles Darwins Evolutionstheorie die krude Lehre vom “Intelligent (von wegen!) Design” verbreitet.

Wird die drohende “Klimakatastrophe”, die – empirisch belegt – immer gravierender auszufallen droht, einfach geleugnet oder schnöde bagatellisiert, um weiterhin gewissenlos über alle Verhältnisse zu leben, so als gäbe es drei Erden, die wir (Un-)Menschen plündern und zerstören können.

Und last but not least: da ziehen jede Woche tausende –  oft mit einem Alu-Hut bewehrt – verbohrte Impfgegner (“Gib Gates keine Chance!”), rechtsradikale Verschwörungstheoretiker (“Der Jude ist Schuld!”), linksradikale Wirrköpfe (“Das System möchte uns versklaven!”) dreist ohne Mundschutz auf die zentralen Plätze unserer Großstädte und sondern den übelsten verbalen Müll ab, den man sich – besser nicht! – vorstellen kann.

So dass man sich zwangsläufig fragt, warum hat sich dieses vermaledeite Virus eigentlich nicht die Dummeit als “Risikogruppe” auserkoren?!

#cRise
#blog
#noumenon
#impression
#art
#text
#optimism
#graphic
#munich
#kartografie
#muenchen
#kunst
#corona
#virus
#kartographie
#pandemic
#cRisis
#cartography

Der 3. Teil der cRise Serie folgt voraussichtlich im Juni 2020!

Alte Knochen

Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2019
© Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2019

Heute mal keine Story, sondern eine Studie.

Sie könnte den Titel tragen: „Multivariable Deskription der Spezies „Dark Waver“ –  exemplifiziert anhand von zwei Konzerten in den Jahren 1995 und 2019“.

Hierzu geben wir zunächst einen kurzen Abriss der äußeren Umstände jener beiden Veranstaltungen in München (am 30.03.1995 bzw. dem 02.05.2019), um zu eruieren, ob hieraus ggf. Einflüsse auf die musikalischen Darbietungen erfolgten. 

Beginnen wir auf der Makroebene – mit der Weltlage.

Hierzu ziehen wir u.a. die Nachrichten der Haupt-Ausgabe der „Tagesschau“ heran, die an beiden Tagen jeweils um 20.00 Uhr (bis 20.15) Uhr “im Ersten” Deutschen Fernsehen (ARD) ausgestrahlt wurden. Die Sendungen konnten vom Autor nicht „live“ gesehen werden, da er um diese Zeit  besagte Konzerte besuchte.

Er greift deshalb auf die „Mediathek“ der ARD zurück. 

Nebenbemerkung:
Solche Online-Archive der TV-Sender mit jederzeit abrufbaren Beiträgen gab es am 30. März 1995 nicht, weil das Internet, zumindest für private Nutzer noch in den Kinderschuhen steckte.

Die Tagesschau vom 30.03.1995 berichtete u.a. von der Haushaltsdebatte im seinerzeit noch in Bonn ansässigen Bundestag.

Dabei zeigte sich der damalige SPD-Chef und Oppositionsführer Rudolf Scharping, der später penis-manövriert mit einer („unechten“, weil angeheirateten) Gräfin zuerst in einem mallorquinischen Swimming Pool, deswegen in der Regenbogenpresse und schließlich politisch jäh im „Aus“ landete, betroffen „angesichts von über 500.000 Kindern, die in Obdachlosenheimen leben“ und „über 1 Million Kindern, die mit Sozialhilfe groß werden.“ 

Während der Rede Scharpings lächelte und glotzte der ewige Kanzler Helmut („Birne“) Kohl nur hämisch.

Dieses Verhalten empörte den „magenta-roten Radler“ Rudolf so sehr, dass er wütend ausrief: „Das ist nicht zum Lachen, sondern zum Weinen!“ 

24 Jahre später gilt – laut Deutschem Kinderschutzbund – jedes fünfte Kind in Deutschland „als arm – 20,2 Prozent leben von Leistungen auf Grundsicherungsniveau (früher „Sozialhilfe“ genannt, E.W.). Das sind 2,8 Millionen Kinder.“ 

Zur Fortsetzung… [ Bitte hier anklicken! ]