Platzverbot bei CII 966 856 (Fortsetzung)

 

Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2019
© Graphik: Ewald Wildtraut M.A. Kunst | Konzepte. 2019

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Zurecht fühlt sich der sympathisch wirkende dunkelhäutige Mann, der offensichtlich einen langen (sonntäglichen!) Arbeitstag hinter sich hat, nicht angesprochen und bleibt – ohne die Miene zu verziehen oder etwas zu sagen – einfach sitzen.

Wohl um sich abzulenken, beschäftigt er sich mit dem Smartphone, während der Ruhestörer ihn weiter übelst rassistisch stichelt.

Umstehende mischen sich ein – bitten den Xenophoben freundlich, aber bestimmt, er möge endlich verstummen oder – besser noch – aussteigen.

Der Rüpel reagiert, in dem er sich unter den Schlichtern – quasi stellvertretend – jemand herauspickt und ihn anfaucht, er solle in sein „K…-Land zurück“.

Mit zittriger Stimme erwidert jener: „Ich bin aus Deutschland… Hab einen deutschen Pass!“

Das bestreitet der Hässliche aber vehement: „Du bist bestimmt koanar von ons. Du g’herst hier ned her!“

In Neufahrn hält die S-Bahn länger als sonst. Niemand weiß warum, aber jeder möchte weg – einfach nur weiter, so schnell wie möglich.

Nach langen Minuten, während derer der Streithansel eine fremdenfeindliche Boshaftigkeit nach der anderen “abfeuert”, kommt eine Durchsage des S-Bahnfahrers: „Die Weiterfahrt verzögert sich – wegen eines Polizeieinsatzes – auf unbestimmte Zeit.“

„Toll!“ denkt man und fragt sich: „Wie erkläre ich´s meinem Kind, was hier Übles abgeht?“

Einzelne Passagiere verlassen genervt die S-Bahn. So wird ein Platz frei, worauf nicht nur ich den Attackierten hinweise.

Doch er beschließt, sitzen zu bleiben, demonstrativ standhaft zu sein, die Sache durch- und – auszuhalten, nicht klein beizugeben, denn dann hätte das Monster sein Ziel erreicht.

„Respekt!“ denke ich und lächle dem Mutigen zu.

Man versucht sich und das Kind abzulenken.

Die Luft im Wagon ist längst “dick” und stickig geworden.

Plötzlich. Die Tür fliegt auf. Gepolter.

Eine Gruppe martialisch uniformierter und bewaffneter Polizisten stürmt in den Wagon, direkt auf Manson zu.

Einer der Ordnungshüter fragt etwas wie: „Machst mol wiada Trouble?!“

Man kennt sich: der Manson-Wiedergänger ist “Stammkunde”.

Schon ergreifen ihn die Polizisten und schleifen die – lächerlich hager wirkende – Figur im Polizeigriff aus dem Wagon. Auf dem Bahnsteig macht es “Klick-Klick” und der “braune” Unruhestifter ist mit Handschellen fixiert.

Im Wagon. Aufatmen. Spürbare Erleichterung.

Endlich geht die Fahrt weiter – glaubt man und frau.

Da öffnet sich noch einmal die Tür.

Ein Polizist fragt mit überraschend sanfter Stimme: „Ist jemand g´schädigt worden? Mecht jemand aussagen?”

Schweigen.

Man schaut zum Opfer des infamen rassistischen Übergriffs.

Ist gespannt, wie der Mann reagiert.

Doch der setzt sich – wortlos und äußerlich ungerührt – bloß ans Fenster.

Dann schließt die Tür.

Die S-Bahn rollt an.

Nichts passiert … also?!?

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